Litauens Süden

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Wir sind in Litauen angekommen, in einem recht kleinen Land mit 2,8 Millionen Einwohnern – fast doppelt soviele wie in den jeweils anderen beiden Baltischen Staaten.

Politisch erleben die Litauer spannende Zeiten. Zwischen den beiden Weltkriegen war Litauen eigenständig. Danach wurde es von NS-Deutschland besetzt und zum Kriegsende von Russland einverleibt. Der Freiheitswille wurde jedoch nie gebrochen. Als alle drei baltischen Länder Ende der 80er Jahre wieder die Möglichkeit sahen, frei zu werden, zeigten sie das am 23.8.1989 durch eine riesige Menschenkette (600 km lang, 2 Millionen Menschen gaben sich die Hände). Dies führte zur jetzigen Unabhängigkeit. Jedoch schaut man heute mit großer Sorge nach Russland und deren starkes militärisches Übergewicht. So empfinden sie die Mitgliedschaft in der NATO (seit 2004) und der EU als existenzielles Schutzschild. Gerade in den letzten Wochen wurden die Deutschland Truppen in Litauen verstärkt. Wir fuhren über die Landenge zwischen Kaliningrad (Russland) und Weißrussland, dem Sudauki-Korridor ins Land. Im Land spürten wir eine große Solidarität und Sympathie mit der Ukraine (besonders in der Hauptstadt).

Unser erstes Ziel (nach einem Campingplatz mit Waschmaschine!!!) war die Wasserburg von Trakai. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert und gilt als Meisterwerk der mittelalterlichen Wehrarchitektur. Sie ist die einzige Wasserburg in Osteuropa und gehört zu den meistbesuchten und meistfotografierten Sehenswürdigkeiten des gesamten Baltikums. Keine Rundreise und kein Reiseführer kommt ohne sie aus. Dabei wird auch auf die Gemeinschaft der Karäer hingewiesen, deren Kultur die Häuser rund um die Trakaier Burg prägen.

Die Karäer (die Tora Leser) sind eine alte jüdische Sekte aus der Gegend des heutigen Irak, die nur die Tora (also den ersten Teil des Alten Testaments) als heiliges Buch anerkennen und jede weitere religiöse Quelle wie Talmud oder rabbinische Tradition ablehnen. Ihre Synagoge fanden wir leider nur verschlossen vor.

Natürlich interessieren wir uns wieder für landestypische Speisen. Wir probierten z.B. die kalte Rotebetesuppe. Bei der Hitze (ca. 28°) tat die richtig gut. Sie wird mit geraspelten Gurken, Joghurt/Kefir, Frühlingszwiebeln, Dill und Ei zubereitet. Dazu gibt es Salzkartoffeln. Mir (Uwe) haben die Kibinais mehr zugesagt: Teigtaschen, gefüllt mit Pilzen, Fleisch oder Käse. Sehr typisch sind auch Kartoffelpuffer in allen Variationen. Wir testeten sie mit Hering oder Speck. Dazu gibt es saure Sahne. Zu einem typischen Getränk (kalter Brottrunk) muss jeder seinen eigenen Zugang finden.

Natürlich steht auch die Hauptstadt Vilnius, das Rom des Ostens, auf unserem Zettel. Viele barocke Gebäude prägen das Bild der Altstadt. Hier waren früher viele Juden Zuhause, man nennt sie daher auch “das Jerusalem des Nordens”. Auch am Regierungssitz flanierten wir bei über 30° vorbei. An diesem Tag lebten wir fast ausschließlich von Eiskaffee. Die Stadt machte auf uns einen sehr lebendigen, jugendlichen Eindruck. Das lag sicherlich auch am Besuch von der “Republik Uchisar”, die dort ausgerufen wurde: Ein Künstlerviertel mit eigener Verfassung, Präsident und Aussenminister. Übernachtet haben wir auf dem Parkplatz eines Hostels mitten in der Stadt. Hier waren wir Opa&Oma unter vielen Jugendlichen und versuchten uns in das coole Ambiente einzupassen.

Das Wetter erlebten wir in unserer ersten Woche als extrem wechselhaft mit viel Regen. Regen ist mit einem PKW und Dachzelt eine echte Herausforderung. So verbrachten wir einige Zeit in Shoppingmalls, bei ikea, Decathlon oder bei Dauerkino auf den Autositzen. Glücklicherweise ist das Dachzelt sehr dicht. Da blieb der Schlafplatz wenigstens trocken und warm.

Nach dem Besuch in einem riesigen Freilichtmuseum in Rumsiskäs bei Kaunas, der zweitgrößte Stadt (früher Hauptstadt) ging es an der Memel entlang Richtung Ostsee. In einigen Orten sah es hier fast so aus wie im Freilichtmuseum. Gestern übernachteten wir direkt an der Memel. Am anderen Flussufer war dann schon Russland. In dem dortigen Naturreservat konnten wir nachts Käuzchen hören und tagsüber unzählige Störche beobachten.

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