Lettland Ostseeküste

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Die ersten Tage waren von der sowjetischen Vergangenheit des baltischen Landes geprägt. Wir besuchten den Ostseehafen Liepaja mit dem nördlichen Stadtteil Karosta. Ursprünglich war Karosta ein Stützpunkt der Russischen Ostseeflotte, der nicht zuletzt aufgrund seiner Nähe zur  deutschen Grenze bei Nimmersatt und seiner ganzjährigen Eisfreiheit gewählt wurde. Noch heute sind die Wohnhäuser dort oft alte Kasernenanlagen. Eine der Attraktionen ist das einzige für Touristen zugängliche Militärgefängnis in Europa. Unter den früheren Gefangenen waren sowohl Revolutionäre, Matrosen und Unteroffiziere der zaristischen Armee als auch deutsche Deserteure, Volksfeinde des Stalin-Regimes sowie Soldaten der sowjetischen und lettischen Armee. Heute sind im Gefängnis von Karosta geführte Exkursionen möglich. Dabei konnten wir das Gefängnis, das sich seit der zaristischen Zeit kaum geändert hat, seine Zellen und den Karzer besichtigen sowie interessante und sogar gespenstige Geschichten aus dem Gefängnisleben erfahren. 

Hier ein Video, das über das Gefängnis berichtet:

Auch eine große orthodoxe Kathedrale zeugt von der russischen Besatzung. Aussen toll erhalten, ist sie innen kaum noch genutzt. Zum Schluss dieses Tripps in die Vergangenheit, besuchten wir die zerfallenen Sowjetbunkeranlagen an der Ostsee.

Auf kilometerlangen Schotterstrassen ging es an der Ostsee nordwärts bis zu einem kleinen Camping, auf dem wir vor zwei Jahren schon einmal eine tolle Zeit erlebt hatten. Die Besitzer erinnerten sich noch an uns (sie folgen uns auf Instagram). Die Suche nach Pilzen blieb erfolglos aber bei den Blaubeeren waren wir erfolgreicher und genossen selbstgemachte Blaubeerpfannkuchen und das erste Lagerfeuer unserer Reise.

Auf Empfehlung der Besitzer machten wir uns auf nach Kuldiga, einem wirklich netten Städtchen mit europas längstem Wasserfall. Ich konnte ihn zu Fuß überqueren. Mit Renate traf ich mich dann im Cafe “Marmelade”, das unbedingt einen Besuch wert ist. Es ist recht unscheinbar, glänzt aber mit sovielen tollen Kuchen, dass man kaum weiß für welchen man sich entscheiden soll. Auf der Suche nach einem ruhigen Stellplatz am Freitag Abend verschlug es uns dann schlussendlich an den Usma-See zu “Siggi”, einem Deutschen pensionierten Postzusteller, der dort ein wunderschönes Grundstück Reisenden als Raststation zur Verfügung stellt. Er verriet uns auch einige der besten Pfifferlingsplätze im Umkreis seines Grundstückes, die wir sofort aufsuchten. Danach gab es drei Tage lang Pfifferlinge in den verschiedensten Variationen.

Die nächste Station wurde das heutige internationale Zentrum für Radioastronomie von Ventspils in Irbene, eine frühere geheime Abhöranlage der sowjetischen Armee mitten in einem Waldstück versteckt. Früher lebten hier über 2000 Personen. Vom Nachlass der Armee sind in Irbene noch mehrere verfallene Gebäude geblieben, worüber der führende Forscher des internationalen Zentrums der Radioastronomie, Doktor des Physik Juris Žagars ironisch meinte: „Hier könnte man den Horrorfilm „Frankenstein und der KGB“ drehen, und man brauchte dann auch kein Lats für Dekorationen ausgeben.“ Zu wissenschaftlichen Zwecken funktioniert hier immer noch die 32m große Parabolantenne TR-32, die die größte in Europa und die achtgrößte weltweit ist. Wir hatten das Glück, an einer Führung durch das ganze Gelände teilnehmen zu können.

Nahe unseres nächsten Übernachtungsplatzes fanden wir einen Bootsfriedhof im Wald. Hier verrotten alte Fischerboote, die zu Sowjetzeiten noch genutzt wurden. Highlight des Tages wurden mehrere Parasolpilze, die wir zufällig fanden und der Besuch vom “Kap Kolka”. Das Kap ist der nördlichste Punkt der kurländischen Halbinsel, an dem die Wellen  von zwei „Meeren“ – der offenen Ostsee und der Rigaer Meeresbucht – beobachtet werden können. Hier haben wir uns auch gleich mit frisch geräuchertem Fisch eingedeckt.

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