Tadschikistan entdecken

Wie immer in den „-stan“ Ländern verlief der Grenzübertritt kompliziert. Nach zwei Stunden hatten wir es geschafft – nur die Ausfahrt war komplett blockiert. Das Problem wurde mit lautem Hupen, einer kleinen Schlägerei unter LKW-Fahrern und dem rückwärtsmanövrieren eines Sattelschleppers gelößt. Doch auch in diesem Land erlebten wir sofort wieder eine große Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Nachdem ich die Versicherungsagentur gefunden hatte, begrüßte mich der Angestellte mit einem Tee und einem sehr freundlichen Willkommen (siehe Text im Foto). Einen ersten Stellplatz fanden wir in Panjakent an einem Fussballplatz.

Am nächsten Tag waren Behördengänge und Besorgungen angesagt. Jeder Reisende muss sich innerhalb 10 Arbeitstagen bei der Ausländerbehörde registrieren lassen, die Gebühr dafür auf einer Bank bezahlen. Eine SIM-Karte für 30 Tage gibt es nur mit dieser Registrierung. Nach dem wir das geschafft hatten, machten wir uns auf den Weg zu den „seven-Lakes“, ein Tal, in dem ein Fluss 7 Sehen verbindet. Am Horizont war schon ein aufziehendes Gewitter sichtbar, aber was soll’s: Luft ablassen und rauf auf die ca. 25km lange Piste in die Berge. Der Weg führt an einem Flusslauf entlang. Leider erwischte uns der Regen und wir waren mal wieder extrem froh um unser geländetaugliches Reisemobil. Erleichtert erreichten wir den 3. See und legten erst einmal eine Pause ein.

Am kommenden Tag suchten wir uns einen neuen Stellplatz und fanden den am Beginn des 4. Sees, inkl. Traumhafte Aussicht auf den See. Den 5. See erkundeten wir dann zu Fuss, da die Straße immer schmaler wurde. In einem kleinen Dorf wurden wir wieder freundlich willkommen geheissen und ein Vater zeigte uns seinen ganz persönlichen Wasserfall hinterm Haus, inkl. Fotosession mit seinen Jungs. Hier oben auf 1850m war es angenehm kühl und so blieben wir ein paar Tage und genossen das wunderbare Panorama.

Unser nächstes Ziel war der Iskandarkul, ein See auf 2200m Höhe. Dazu ging es erst einmal 25km Piste bergab und dann ca. 120km Landstrasse bevor wir wieder 20km auf Schotterpiste den Berg hinauf krochen. Eigentlich wollten wir diese Fahrt auf zwei Tage aufteilen, konnten aber leider keinen vernünftigen Platz finden. So hiess es durchhalten und weiterfahren. Nach einem wirklich sehr anstregenden Tag fanden wir einen Platz auf einem Camping. Leider war der absolut überteuert und ein Hund bellte die ganze Nacht, sodaß wir uns entschlossen, schnell eine Alternative zu finden. Der See ist berühmt, soll einer der schönsten Ausflugsziele zur Zeit der Sovjetunion gewesen sein. Zudem hat der Präsident Tadschikistans hier einen Sommersitz, inkl. Helikopterlandeplatz. Einen alternativen Platz zu finden gestaltete sich leider schwierig. Der Wasserstand des Sees war so hoch, daß einige Wege leider überflutet waren. So blieb uns nichts anderes übrig, als eine Parkbucht an der Straße zu wählen – allerdings mit Premiumaussicht auf den See. Störend waren nur ein paar Sattelschlepper, die auf der Schotterstrasse täglich zur nahegelegenen Goldmiene fuhren. Ansonsten genossen wir den wunderbaren Ausblick und die Kühle auf ca. 2200m Höhe. Bei dieser Gelegenheit legte Renate mal wieder einen Putztag ein und ich widmete mich so mancher Schraube, die sich durch das viele Gerüttel gelockert hatte.

Unser nächstes Ziel sollte dann Dushanbe, die Hauptstadt Tadschikistans sein. Da dort aber Temperaturen von 40°C vorausgesagt waren, legten wir noch einen kleinen Stopp an einem Fluss ein. Davor musste Kermit unsere „Wohnung“ über die Passstraße rauf und runter transportieren. Dabei kam er ganz schön ins Schwitzen, sodass wir eine Pause zum Abkühlen einlegen mussten. Auch die Durchfahrt des „Anzob-Tunnels“ war nicht ganz ohne. Er galt früher als einer der gefährlichsten Tunnel der Welt (5km lang, unbeleuchtet, keine Lüftung, keine Fluchtwege, Schlaglöcher,…). Glücklicherweise konnte ich mich an einen gut beleuchteten Baustellen-LKW hängen, der den Tunnel wohl gut kannte und extrem zügig durchquerte. Jetzt sitzen wir am Fluss in den kühlen und überwältigend schönen Bergen, bevor es dann bald in die Hauptstadt ins Tal gehen wird.

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