Heute geht es über den Kalmak-Pass mit einer Höhe von 3446 m.ü.M. Unser Kermit schraubt sich auf der Schotterpiste Kilometer für Kilometer in die Höhe. Meist ist die Fahrspur durch Geländewagen ausgefahren. Die ist etwas schmaler als unsere. Doch auch Kleinbusse mit Touristen (Sprinter) begegnen uns auf der Fahrt. Kermit mit seinem permannenten Allradantrieb und seiner Gelände-Untersetzung meistert die Strecke ohne Schwierigkeiten. Auch die Kühlung funktioniert jetzt perfekt – auch dank der deutlich niedrigeren Themperaturen um die 15°C. Der Blick ins Tal ist wirklich erhebend. Nach dem Pass geht es wieder leicht bergab. Der See liegt auf 3016m Höhe, hat eine Fläche von 270 qkm und gilt für viele Kirgisen als der Inbegriff ihres Landes. Er wird von Gletschern und der Schneeschmelze gespeist.
Dort angekommen wechseln sich Sonne und Regen ab. Wir besuchen zum ersten Mal ein kleines Restaurant in einer Jurte und wollen dort einen Tee trinken. Von der Familie werden wir freudig empfangen und die Kinder versuchen gleich mit uns in Kontakt zu treten. Liebenswürdig verständigen wir uns mit Händen und Füssen, machen kleine Spielchen und verabschieden uns dann wieder mit den obligatorischen Fotos. Natürlich wollen sie auch unser “Zuhause” sehen. Sie staunen nicht schlecht, was wir im Kermit alles so dabei haben. Am Abend erleben wir dann noch ein heftiges Gewitter und einen der eindrücklichsten Regenbögen, die wir je im Leben gesehen haben.
An den nächsten beiden Tagen lernen wir den See etwas näher kennen. Wir entdecken, daß er für viele Kirgisen als Symbol ihrer nomadischen Kultur und zählt. Hier oben gibt es kein Dorf oder eine Stadt, nur saisonale Jurtencamps. Für viele Familien dienen die umliegenden Wiesen als Hochsommerweide. Von Juni bis September ziehen Hirtenfamilien mit Pferden, Schafen, Rindern und Yaks hierher. Sie wohnen in traditionellen Jurten und stellen Produkte wie Kumys (vergorene Stutenmilch), Käse und Sahne her. Rund um den See finden sich Hinweise auf eine jahrtausendealte Nutzung der Hochebene. Hier gibt es Petroglyphen (Felszeichnungen), Grabhügel (Kurgane) und geheimnisvolle Steinkreise, die an Anlagen im Altai und in der Mongolei erinnern. Uns fallen die vielen Pferde auf, die hier überall grasen. Passionierte Reiter – zu denen wir nicht gehören – kommen hier voll auf ihre Kosten. Morgens zeigt unser Thermometer 5°C. Was für ein Unterschied zu den vorigen Wochen. An einem Nachmittag erscheinen dann mehrere Polizeifahrzeuge und eine ganze Gruppe an verschieden uniformierten Polizisten weißt uns darauf hin, daß sie die “Öko-Polizei” seien. Sie wurden von Kameras und Mikrofon begleitet und teilten uns freundlich mit, daß Autos nicht auf der Wiese stehen dürfen und verwiesen uns auf eine der Fahrspuren. Auch die PKWs der benachbarten Jurten wurden dorthin verschoben. Als die Polizei weg war, parkten alle PKWs wieder um. Gehorsam wie wir “gut erzogene Deutsche” sind, blieben wir auf der Fahrspur stehen.
Da dieser Platz aber nicht gerade optimal war, verlegten wir uns auf die ca. 30km entfernte Südspitze des Sees. Hier waren nur ganz vereinzelt Jurten anzutreffen und wir genossen den ruhigen Platz am Fluss, der hier den See verlässt. Ein paar Kinder kamen zum baden und plauderten nett mit uns, eine Familie feierte ein Fest hinter unserem Fahrzeug. Doch am Abend herrschte wieder absolute Ruhe.
Auf der Rückfahrt ins Tal wollen wir einen weniger befahrenen aber dafür deutlich späktakuläreren Pass fahren. Er heisst Papageienpass oder auch Teskey-Torpok-Pass. Er liegt auf etwa 3.133 m Höhe. Die Südseite des Passes besteht aus 33 enger Serpentinen, die sich wie eine Treppe den Berghang hinabwinden. Von der Passhöhe bietet sich ein grandioser Blick über die endlosen Hochweiden des Songköl, die schneebedeckten Gipfel des Tien Shan und die markanten Kehren der Passstraße. Als wir von dort ins Tal blicken staunen wir nicht schlecht als uns zwei Fahradfahrer aus der Schweiz entgegen kommen. Auch diesen Pass meistert Kermit im zweiten Gang und Motorbremse hervorragend. Auf halber Strecke befindet sich ein kleiner Wasserfall, den wir zur Abwechslung erwandern. Dort kommen wir auch mit einer netten Truppe Inder ins Gespräch, die hier mit geliehenen Geländewagen (inkl. Lokalem Mechaniker) hier unterwegs sind. Am Nachmittag beziehen wir wieder einen betörend schönen Stellplatz bei bestem Wetter am Fluss.
Am letzten Tag unseres Ausfluges zum Songköl nehmen wir die zweite Hälfte des Passes in Angriff. Es geht durch ein langgezogenes Tal mit einzelnen Jurten, freilaufenden Pferden und wunderschönen Ausblicken ins Tal. Nachdem sich Kermit noch einmal auf 3000m hochgearbeitet hat erreichen wir schlussendlich das Tal und die geteerte Hauptstrasse. Jetzt wird wieder Luft in die Reifen gepumpt, die Untersetzung rausgenommen. Wir stellen uns auf das normale Leben in der Zivilisation ein.






