Auf dem Weg nach Buchara

Buchara ist eine der berühmtesten Städte an der Seidenstraße. Wegen der zunehmend hohen Temperaturen entscheiden wir uns, zunächst diese rund 600 Kilometer entfernte Stadt zu besuchen. Dort werden bereits 38 °C vorhergesagt. Je später wir ankommen, desto heißer wird es sein. Danach soll es wieder zurück nach Samarkand gehen. Unser Weg führt uns auf miserablen Straßen Richtung Westen. Bewusst wählen wir nicht die Hauptverbindungsstraße und erreichen den Aydar Ko‘l, einen künstlich entstandenen See am Rand der Kysylkum-Wüste. Er entstand 1969, als große Wassermengen aus dem Syrdarja in die Arnasay-Senke geleitet wurden. Heute zählt er zu den größten Binnengewässern Zentralasiens. An seinem Ufer finden wir einen ruhigen Platz für die Nacht. Weiter geht es auf ebenso schlechten Straßen. Oft kann ich nur im zweiten Gang mit etwa 40 km/h fahren. Die Fahrbahn gleicht einem Flickenteppich, und die zahlreichen Schlaglöcher sind kaum rechtzeitig zu erkennen. Unterwegs halten wir in einem Dorf und genießen zum Mittagessen leckere Somsas. Diese Teigtaschen werden in traditionellen Lehm- oder Steinöfen häufig direkt an der Straße gebacken – und schmecken einfach hervorragend. Wo immer es möglich ist, decken wir uns auf lokalen Märkten mit frischem Obst und Gemüse ein.

Wir erreichen das kleine Sentob Reservoir. Es dient vor allem der Wasserversorgung und Bewässerung der umliegenden Landwirtschaft und liegt malerisch am Fuß eines Gebirges. Hier ist es etwas kühler, und wir beschließen, gleich drei Nächte zu bleiben. Direkt nach unserer Ankunft kühlen wir uns mit dem ersten Bad des Jahres im kristallklaren Wasser ab. Diese Erfrischung wird in den nächsten Tagen schnell zur Gewohnheit. Den Platz am Wasser nutzen wir außerdem für einen längst notwendigen Waschtag. Renate testet eine neue „Waschmaschinenkonstruktion“, während ich Wäscheleinen mit nur einer Stütze baue, auf der die gesamte Wäsche Platz findet. Der heiße Wind und die intensive Sonne sorgen dafür, dass die Kleidung schneller trocknet, als die nächste „Maschine“ fertig ist. Nach diesem arbeitsreichen Tag gönnen wir uns einen weiteren Tag zum Entspannen. Immer wieder werden unsere ruhigen Stunden durch den Besuch usbekischer Familien unterbrochen. Fast jede möchte eine Fotosession mit uns machen. Es ist schön, sich so willkommen zu fühlen.

Mitten in der endlosen Steppe zwischen Samarkand und Buchara erreichen wir die Überreste von Rabat-i Malik, einer fast tausend Jahre alten Station an der Seidenstraße. Händler, Pilger und Gesandte aus China, Persien und Europa legten hier einst einen Zwischenstopp ein. Besonders beeindruckend ist die benachbarte Sardoba, ein gewaltiger unterirdischer Wasserspeicher, der Reisende mit frischem Wasser versorgte. Zusammen zeigen beide Bauwerke, wie ausgeklügelt die Infrastruktur entlang der Seidenstraße bereits im Mittelalter war. Ansonsten verläuft die Reise wie gewohnt: schlechte Straßen, gutes Essen in kleinen Restaurants direkt am Straßenrand, die Suche nach einem abgelegenen Übernachtungsplatz sowie angenehme Kühle und Ruhe während der Nacht. Immer wieder begeistern uns die kleinen Lokale entlang der Strecke. Zwar können wir uns mit den Mitarbeitern meist nicht verständigen, doch mit Gestik, Pantomime und Freundlichkeit gelingt es immer, etwas Leckeres zu bestellen. Für eine komplette Mahlzeit inklusive 1,5 Litern kalter Cola bezahlen wir meistens gerade einmal etwa sieben Euro.

Kurz vor Buchara erreichen wir die Sommerresidenz der letzten Emire von Buchara, Sitorai Mohi Xosa. Der Name bedeutet „Palast der Sterne und des Mondes“ und beschreibt die prachtvolle Anlage sehr treffend. Besonders faszinierend ist die gelungene Mischung aus orientalischer Baukunst und europäischem Stil. Russische Ingenieure und usbekische Meisterhandwerker schufen hier Anfang des 20. Jahrhunderts einen beeindruckenden Palast mit spiegelverzierten Sälen, kunstvollen Stuckarbeiten und weitläufigen Gärten. Heute beherbergt der Palast ein Museum mit kostbaren Stickereien, Schmuckstücken und Möbeln aus der Zeit der Emire. Es tut gut, nach vielen Tagen unterwegs wieder etwas Kultur zu erleben.

Morgen werden wir Buchara erreichen – eine der bedeutendsten historischen Städte entlang der Seidenstraße. Mehr darüber im nächsten Beitrag.

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