Der See ist der zweitgrößte Hochgebirgssee der Welt (nach dem Titicaca-See) und ca. 11x so groß wie der Bodensee. Er liegt auf ca. 1600m. Sein Name bedeutet “warmer See”, da er auch im Winter nicht vollständig zu friert. Das Wasser ist leicht salzhaltig und seine Lage befindet sich geschützt hinter dem Tien Shan Gebirge. Der See liegt seit Jahrhunderten an einer wichtigen Verkehrsachse zwischen China, Zentralasien und dem Westen. Karawanenwege führten früher an seinen Ufern entlang. Heute ist er bei vielen zentralasiatischen Touristen sehr beliebt. Auf einer guten Teerstrasse erreichen wir den See und beziehen gleich ein schönes, schattiges Plätzchen. Tagsüber kommen viele Kirgisen ans Wasser aber abends herrscht hier völlige Ruhe. Zum ersten Mal holen wir unsere Hängematten raus. Rente bekam am Abend noch einen selbstgepklückten Blumenstraus von einem kleinen kirgisischen Mädchen geschenkt. Wann ist uns zum letzten Mal so etwas in Deutschland passiert? Hier treffen wir auch einige Reisefreunde, die wir in Taschkent vor fast zwei Monaten kennen gelernt hatten. Wir bleiben gleich zwei Tage hier.
Unser nächstes Highlight ist der canyon of forgotten rivers. Der Name sagt eigentlich schon alles: Das Tal besteht aus ausgetrockneten ehemaligen Flussläufen, die sich über lange Zeit in die weichen Sedimente eingeschnitten haben. Heute kann man den ca. 10km langen Canyon bis runter ans Meer durchfahren. Hier gibt es wieder Stellplätze ohne Ende, einzige Bedingung: Wir müssen aus Naturschutzgründen mind. 100m vor der Küstenlinie stehen, was kein Problem darstellt. Wir unternehmen am Abend eine kleine Wanderung auf die Sandsteinberge. Die Aussicht ist phänomenal. Renate meinte hier oben: “Es ist zum heulen schön”! Auch hier hängen wir gleich einen weiteren Tag mit baden und relaxen dran. Am Abend erleben wir einen herrlichen Sonnenuntergang und genießen ein feudales Abendessen (das hier fast nichts kostet). Der später aufgehende “Blutmond” setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Tief orange und groß stieg der Vollmond hinter den Bergen hervor. Leider war die Atmosphäre mit dem handy nicht einzufangen.
Zur Abwechslung besuchen wir am kommenden Tag eine Filz-Manufaktur in Bokobayevo. Hier werden Teppiche, Taschen, Schuhe, Jurtenwände und Dächer hergestellt. Für den nächsten Tag konnten wir einen ganztägigen workshop für Renate vereinbaren, in dem sie lernt wie diese Teppiche gemacht werden und selbst einen kleinen herstellen darf. Die verschidenen Utensilien werden alle per Hand hergestellt. Renate hatte viel Spaß und Ausdauer dabei und ich nutzte die Zeit, um ein paar Mahlzeiten vorzukochen.
Noch am selben Abend erreichen wir den Fairytale-canyon. Was wir dort antreffen ist wirklich “märchenhaft” (fairytale). Geologisch handelt es sich vor allem um Sedimente aus Sandstein und tonreichen Ablagerungen. Diese wurden über einen langen Zeitraum durch Wasser, Wind, Frost und starke Sonneneinstrahlung erodiert. Dadurch entstanden die schmalen Grate, Türme, Rinnen und kleinen Schluchten. Mit etwas Fantasie entdeckt man einen Vogel, eine Echse oder ein Fabelwesen. Eine besonders auffällige Formation wird z.B. als “Chinesische Mauer” bezeichnet. In einem Seitental können wir übernachten, um die besonderen Felsformationen am kommenden Tag zu erkunden. Dabei waren wir dann allerdings nicht allein. Der Parkplatz war mit kleinen Touristenbussen überfüllt. Das Tal ist aber so weitläufig, daß sich die Touristenströme recht gut verteilen. Immer wieder komme ich mit anderen ins Gespräch: Ein Israeli erzählt mir von seinem immer wieder verschobenen Heimflug (wegen Iransischen Angriffen), eine Gruppe Niderländer bestaunen das Auto und bekommen eine “Privarführung”, ein lokaler Guide zeigt mir Bilder wie es in dem Canyon aussieht, wenn es mal einen Platzregen gibt, ein anderer hilft mir rückwärts zwischen den Kleinbussen auf den Zufahrtsweg zu manövrieren. Es ist unglaublich entspannt und ermutigend, mit wievielen freundlichen Menschen wir in Kontakt kommen. Und jeden Tag aufs Neue können wir über Gottes wunderbare Schöpfung staunen.
Die Barskoon Wasserfälle sind unser heutiges Ziel. Eine 20km lange Stichstrasse führt dazu in die Berge nach Süden. “Straße” ist eigentlich zuvielgesagt: “gut ausgebaute Matschpiste” trifft es besser. Sie wird auch von den LKWs genutzt, die die Kumtor-Goldmine beliefern. Es ist die größte Goldmine Kirgistans. Seit 1997 wird dort Gold abgebaut. Dadurch ist die Straße schlöne platt gefahren. Immer wieder donnern LKWs an uns vorbei. Wir quaälen uns durch Staub und Matsch bis rauf in die Nähe der Wasserfälle. Hier staunen wir nicht schlecht wie Viele andere die selbe Idee hatten. Neben der kaputten Straße was es tatsächlich schwierig, einen Parkplatz, geschweige denn einen Schlafplatz zu finden. Unser Auto sieht mittlerweile aus wie die Sau, da sich auch die Uferstrasse im Umbau befindet. Um den Staub zu reduzieren befeuchten regelmässig “Wasserlaster” die Dreckpiste. Der ganze Schmodder überzieht dann das ganze Auto. Hier haben fast alle Fahrzeuge die selbe “Farbe”. Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zu den Wasserfällen. Die liegen in steilen Einschnitten. Zwei der drei Wasserfälle erreichen wir – zum dritten wird uns der Weg zu steil. Hier befindet sich auch ein Denkmal an Juri Gagarin. Er war ja der erste Mensch im Weltraum und verbrachte nach seinem Flug 1962 seinen Urlaub hier bei den Wasserfällen.
Nun hat das Wetter umgeschlagen. Es regnet und so soll es auch die nächsten Tage weitergehen. Mal sehen, was uns sonst noch alles begenen wird.






