Wenn man nach Zentralasien reisen möchte, gibt es momentan keine wirklich vernünftige Anreisealternative zur Route durch Russland. Auf dem Hinweg verlief unser Transit noch ganz gut. Auf dem Rückweg leider nicht. Bereits wenige Kilometer hinter der kasachischen Grenze wurden wir von einer Polizeikontrolle angehalten. Nachdem unsere Papiere kontrolliert waren, wollten die Beamten mit mir – warum auch immer – einen Alkoholtest machen. Dazu zogen sie sich mit mir hinter unser Fahrzeug zurück. Das Ergebnis: 2,2. Diesem Wert widersprach ich natürlich vehement. Ich hatte am Vorabend lediglich 0,4l Bier getrunken – also vor mehr als 16 Stunden. Dass ein solcher „Restalkoholgehalt“ noch in meinem Blut sein sollte, konnte überhaupt nicht sein. Nach einigem Diskutieren fiel mir ein, dass ich noch zwei Dosen alkoholfreies Bier im Kühlschrank hatte. Ich holte sie heraus und zeigte den Beamten die Aufschrift: 0,0 %. Genauso hoch sei dann wohl auch mein momentaner Alkoholspiegel. Nachdem sie schließlich aufgegeben hatten, mir Alkohol am Steuer anzuhängen, kam die nächste Frage: ein „Souvenir aus Deutschland“ wäre doch sicher nett. Leider hatte ich keines mehr dabei. Nach längerem, „vergeblichem“ Suchen ließen sie mich schließlich weiterfahren. Zum Glück war das Wetter gut, und wir fanden einen schönen Übernachtungsplatz an einem Seitenarm der Wolga. Dort konnte ich mich erst einmal wieder abregen. Wir haben uns vorgenommen, grundsätzlich keinem Korruptionsversuch nachzugeben. Wenn wir das täten, würde das nur signalisieren: Es lohnt sich! Und weitere Reisende müssten dann möglicherweise nach uns darunter leiden.
Am nächsten Tag ging es noch zielstrebiger Richtung Georgien. Wir suchten uns ein schönes, verstecktes Plätzchen am Waldrand, direkt an einem Fluss. Besuch bekamen wir lediglich von einer Kuh und einigen Fasanen. So hatten wir uns die Rückreise vorgestellt: Ruhe, Natur und keine weiteren Überraschungen.
Der nächste Tag sorgte allerdings für eine weitere Überraschung. An einem Kontrollpunkt wurden wir von der Polizei herausgewunken. Mir wurde mitgeteilt, dass ich auf dieser Straße gar nicht hätte fahren dürfen. Es war eine ganz normale Straße am Stadtrand, ohne irgendeine erkennbare Beschränkung für LKWs, kein Gewichts- und kein Höhenlimit. Die erste Forderung: 200 Euro Buße. Nach kurzer Diskussion wurden daraus 100 Euro, dann 50 Euro. Die umstehenden Polizeibeamten versuchten nun, möglichst hohen Druck auf mich auszuüben. Einer deutete auf seine Handschellen, falls ich nicht zahlen würde, ein anderer gab mir mit Handzeichen zu verstehen, dass ich doch endlich bezahlen solle. Leider war die Kommunikation extrem schwierig. Ich kann kein Russisch, und die Beamten konnten kein Englisch. Auch der Übersetzer auf ihrem Handy wollte nicht so recht weiterhelfen. Da kam mir die Idee, mein eigenes Handy aus dem Wohnmobil zu holen. Beim Hinausgehen sah ich unsere Pässe und meinen Führerschein auf dem Schreibtisch liegen. Die nahm ich gleich mal mit. Dann hatten sie schon ein Druckmittel weniger zur Verfügung. Offenbar bemerkten die Beamten, dass ich mit dem Holen meines Handys weitere Diskussionen plante. Jetzt riefen sie mir hinterher, ich solle zufahren. Was für ein Theater! Drei Tage Russland, und schon zweimal sollte ich über den Tisch gezogen werden. Viel länger wollten wir uns das nicht mehr antun. So fuhren wir bis kurz vor die Grenze, um in Wladikawkas zu übernachten. Leider war auch das keine besonders gute Wahl. Am Rand des Parkplatzes, auf dem wir standen, begann man zu grillen und zu feiern. Irgendwann gegen Mitternacht entwickelte sich das Ganze zu besoffenem Gegröle, Wackeln an unserem Wohnmobil und allerlei anderem Lärm. Irgendwann kehrte dann doch noch Ruhe ein.
Schon früh am Morgen ging es zum Zoll. Nach der Durchsuchung unseres Autos mussten wir uns einer Befragung unterziehen und unsere Handys inklusive Passwörtern abgeben. Über eine Stunde mussten wir in einem vergitterten Raum warten. Für mich war es ein extrem unangenehmes Gefühl, so hilflos einem derart korrupten System ausgeliefert zu sein. Als wir endlich unsere Pässe und Handys zurückbekamen, machten wir uns schleunigst auf den Weg hinaus aus diesem Land. Russland werden wir sicherlich so schnell nicht noch einmal bereisen.






