Nachdem wir die Grenze aus der Türkei überschritten und uns mit Bargeld und SIM-Karte bewaffnet haben ging es weiter nach Borjomi. Vor 4 Jahren hatten wir diese ehemalige Kurstadt schon mal auf dem Zettel gehabt, da sie aber von Touristen so überlaufen war und wir nicht einmal einen Parkplatz fanden fuhren wir damals weiter – nicht so diesmal: Borjomi ist vor allem für sein legendäres Mineralwasser bekannt. Schon im 19. Jahrhundert zog es die russische Aristokratie hierher, um in der klaren Bergluft zu entspannen und das leicht schwefelig schmeckende Wasser zu trinken. Bis heute ist Borjomi einer der bekanntesten Kurorte im gesamten postsowjetischen Raum. Im Central Park haben wir das Wasser der berühmte Quelle selbst probiert: Es ist warm, stark mineralisiert und definitiv gewöhnungsbedürftig. Von dort aus wanderten wir ca. 3km zu den sogenannten Sulfur Pools. Am Ende fanden wir die einfachen, natürlich gespeisten Schwefelbecken mitten in der Natur. Das milchig-grüne Wasser ist warm und soll eine heilende Wirkung auf Haut und Gelenke haben. Es war uns allerdings zu kalt, um es selbst auszuprobieren. Auf unserem Weg kamen wir an einer kleinen Kirche vorbei, wo gerade Gottesdienst gefeiert wurde. Wir durften kurz reinschauen – erstaunlich wie unkompliziert hier gefeiert wird.
Unser nächstes Ziel war das Weingut Merebashvilli in Kaspi. Auf dem Weg liegt die Felsenstadt Uplistsikhe. Schon aus der Ferne wirkt die Felsenstadt fast unwirklich – wie eine Landschaft, die eher von Wind und Zeit geformt wurde als von Menschenhand. Und doch verbirgt sich genau hier eine der ältesten städtischen Siedlungen Georgiens. Uplistsikhe ist keine klassische Ruinenstadt mit Mauern und Dächern – sie ist direkt aus dem Gestein herausgearbeitet. Höhlen öffnen sich wie Türen in eine andere Zeit, schmale Wege verbinden Wohnräume, Hallen und ehemalige Kultstätten. Es ist kein Ort, der sich uns auf den ersten Blick vollständig erschließt. Vielmehr lebt er von der eigenen Vorstellungskraft – davon, die leeren Räume mit Leben zu füllen und die Spuren der Vergangenheit zu deuten. Am Abend belohnen wir uns dann mit dem Besuch des Weingut Merebashvilli. Die Eigentümer sind unglaublich gastfreudlich, sprechen Deutsch und produzieren hervorragende Weine. Ein perfekter Abschluss eines spannenden Tages.
Weiter geht’s mit einer weiteren Portion Kultur in Mtskheta. Im Zentrum erhebt sich die Swetizchoweli-Kathedrale, eines der wichtigsten religiösen Bauwerke des Landes. Ihre massive, zugleich elegante Erscheinung dominiert die Altstadt. Mtskheta war einst die Hauptstadt des antiken Königreichs Iberien und gilt als Ausgangspunkt der Christianisierung Georgiens. Im 4. Jahrhundert predigte hier Nino von Kappadokien und gewann schließlich den König Mirian III. für den christlichen Glauben. Mit seiner Taufe wurde Georgien eines der ersten Länder, das das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Im Inneren herrscht eine besondere Stimmung: gedämpftes Licht fällt durch schmale Fenster, alte Fresken erzählen Geschichten vergangener Jahrhunderte, und eine ruhige Ehrfurcht liegt in der Luft. Drumherum unzählige Souvenierstände, die vor nichts zurückschrecken, nicht einmal vor Socken mit einer Abbildung Stalins. Er war ja Georgier. Hier genießen wir zum ersten mal wieder das überaus leckere und immer frisch gebackene georgische Brot.
Tiflis wird dann fahrtechnisch eine echte Herausforderung, doch dazu später mehr. Zuerst suchen wir eine Wäscherei auf, um mal wieder die alltäglichen Notwendigkeiten zu regeln. Da kein Parkplatz zu finden ist, bleibe ich während des Waschens im Auto am Straßenrand sitzen. Dann geht es rein in die Hauptstadt. Leider gibt es den Stellplatz oberhalb der Kathedrale nicht mehr – so entscheiden wir uns für einen kleinen Platz im Altstadtzentrum. Dorthin zu gelangen ist eine kleine Kunst. Doch die Georgier fahren sehr rücksichtsvoll, kreativ und geduldig. Dort angekommen verlangt man zuerst eine horrende Parkgebühr 100 GEL, dann verweigert man uns ganz die Einfahrt – wir seien zu groß. Also wieder raus durch die Altstadt. Wir fahren einen weiteren Platz an den Konzertsälen – direkt bei der Friedensbrücke – an. Dort ist genau 1 PKW-Platz frei. Mit Renates perfekter Einweisung platziere ich Kermit rückwärts mit 1x verbessern zentimetergenau in dieser Lücke. Sie ist so eng, daß wir nur aus einer Fahrerhaustür ein- und aussteigen können aber was soll’s! Hier bleiben wir! In den nächsten drei Tagen genießen wir die wunderschöne und sehr quirlige Stadt. Wir finden sogar das urige Restaurant Racha wieder, in dem es die wohl besten Chincali gibt. Alles ist dort sehr authentisch, frisch zubereiten und günstig – ein Genuss. Am Sonntag besuchen wir den Gottesdienst der GICF, eine internationale Gemeinde, die ihren Gottesdienst in Englisch feiert. Mit der App Grab läßt es sich in der Stadt alles gut erreichen. Mit Ohrenstopfen schlafen wir gut und verbringen so 3 Nächte in der Hauptstadt Georgiens bevor wir jetzt Richtung russische Grenze aufbrechen.
Nachdem wir Gas, Wasser und Diesel getankt haben geht es auf der Russischen Heerstrasse nach Norden in den Kaukasus. Unsere erste Nacht verbringen wir in Ananuri und besichtigen am nächsten Morgen dort die Burg. Dann geht es rauf in den Kaukasus. Schon bald erreichen wir die kilometerlangen LKW-Schlangen, die sich vor dem Zoll stauen. Kurz vor dem Kreuzpass (2395müM) erreichen wir das Freundschaftsdenkmal von Georgien und Russland. Zum Glück sind die Strassen schneefrei. Teilweise hatten wir Sperrungen, da einzelne Tunnel so eng und mit Schlaglöchern übersät sind, daß man nur einspurig durchkommt. Schlaglöcher wie Mondkrater: wehe man schafft es nicht mehr, auszuweichen. Wir erreichen Kazbegi (auch Stefansminda genannt) und parken an einem Pool gefüllt mit Schwefelwasser. Hier verbrachten wir die 3 letzten Nächte vor dem Grenzübertritt nach Russland. Wir kommen uns vor wie in der Schweiz, umringt von hohen Bergen, die noch teilweise schneebedeckt sind. Nachts kühlt es auf -2°C ab. Hier zeigt sich, wie gut unsere Kabine isoliert ist. Die Abende verbringen wir mit georgischem Rotwein und frischem Brot, Spanischem Schinken, Türkischem Käse und einem Tatort vor unserem prasselnden Ofen. Wenn am Tag die Sonne scheint wird es erstaunlich warm und so nutzen wir die Zeit für kleine Wanderungen und zu Vorbereitungen des Grenzübertritts. Mehr davon dann aus Russland im nächsten Bericht.






