Heute besuchen wir Mardin, eine der ältesten Städte dieser Regien, am Berg gelegen mit einer grandiosen Aussicht über das mesopotamische Tiefland. Schon im 400 n.C. entstand hier die Kirche der 40 Märtyrer. Damals wurde sie zum Sitz des syrisch-orthodoxen Patriarchen. Auch heute wird hier der christliche Glaube mit Taufen, Hochzeiten und Gottesdiensten gefeiert. Überhaupt ist die Stadt heute im besten Sinne des Wortes multikulti: Araber, Kurden, Türken, Armenier und Aramäer beziehungsweise Syrisch-Orthodoxe leben hier zusammen. Deshalb findest wir Moscheen, Kirchen, Klöster und Medresen nah beieinander. Leider spielt das Wetter so gar nicht mit und so müssen wir uns in einem der unzähligen Kaffees zurückziehen, um dem Regen aus dem Weg zu gehen und unsere Knie von den gefühlt 1000den von Stufen zu erholen.
Ein weiteres schönes Städtchen ist Mydiat. Dort lassen wir uns von der Freude und Begeisterung der Besucher an diesem Samstag anstecken. Überall wird gefilmt, gepost, fotografiert. Im Mittelpunkt steht das alte Gästehaus, das Wahrzeichen der Stadt. Von hier aus hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt. Viele tragen Kopftücher mit Goldkettchen und Münzen – eine besondere Tradition hier. Ein rustikales Mittagessen gönnen wir uns in eier Hähnchengrill an der Hauptstasse (nicht so überteuert wie in den Touristenstrassen).
Am hiesigen Ostersonntag wartet ein ganz besonderes Highlight auf uns: Wir dürfen den Ostergottesdienst zusammen mit den Mönchen und Studenten des Klosters Mor Gabriel feiern. Das Kloster ist zu dieser Zeit für Touristen geschlossen – ich konnte jedoch mit der Klosterleitung für uns beide eine Ausnahme erreichen. Um 7:30 Uhr standen wir auf der Matte, um hineingelassen zu werden. Der ca. 90minütige Gottesdienst war für uns schon etwas sehr spezielles. Es wurde viel rezitiert, gesungen, gebetet, Weihrauch, Glöckchen, Kerzen spielten eine große Rolle. Trotz dass wir Fremde waren fühlten wir uns willkommen. Verstanden haben wir natürlich gar nichts (es wurde Aramäisch gesprochen). Das Kloster Gabriel ist eines der ältesten Klöster der Welt, daß noch in Betrieb ist. Es wurde 397 n.Chr. gegründet – die Gebeine des Gründers werden noch aufbewahrt) und noch heute werden ca. 50 Klosterschüler ausgebildet, einige sogar aus Deutschland. Mit ihnen konnten wir uns kurz unterhalten. Noch 1915 während dem 1. Weltkrieg wurden hier Mönche getötet und das Kloster besetzt. Multikulti ist also nicht immer einfach.
Auf unserem Weg zum Van-See halten wir in Batman, um Gemüse, Obst und Fleisch einzukaufen. Als wir zu unserem Auto zurückkommen werden wir von einigen älteren Herren zum Tee eingeladen. Sie bitten so freundlich, sodaß wir einfach nicht ablehnen können. Schnell sind ein paar Stühle zusammengestellt und wir sitzen in einer Runde freudig strahlender älterer Herren. Mit google Übersetzer versuchen wir uns zu verständigen. Einer ruft seinen Bruder in Deutschland an, der soll übersetzen. Gibt es eigentlich einen Türken, der keine Verwandten in Deutschland hat? Wir plaudern etwas und falls wir was brauchen, sollen wir uns melden. Das einzige, das mir einfällt ist, daß wir noch einen Metzger suchen. Und schon wird telefoniert und zwei der Herren nehmen uns ins Schlepptau mit in die Stadt. Und schon stehen wir bei einem Metzger, ich suche aus und will bezahlen – aber keine Chance. Sie wollen unbedingt bezahlen. Ich weigere mich dränge mit dem Geldbeutel an die Theke … einer nimmt mich am Ärmel und zieht mich freundlich raus. Er macht mir klar, daß ich hier keine Chance habe, selbst zu bezahlen. Zurück beim Cafe gibt es den zweiten Tee und wieder ein Telefonat mit einem Deutsch sprechenden Freund. Nach soviel Gastfreundschaft verabschieden wir uns mit strahlender Miene und ziehen unseren Weg mit einer weiteren unglaublichen Erfahrung der hiesigen Gastfreundschaft. Das Miteinander war so intensiv, daß wir überhaupt nicht auf die Idee kamen, Bilder zu machen.






