Wie so oft wurde auch dieser Grenzübertritt von Kirgistan nach Kasachstan zu einem ganz besonderen Erlebnis. Kirgistan hat uns so gut gefallen, daß wir alle 30 Tage, die wir visumsfrei das Land bereisen dürfen, ausgenutzt haben. Am letzten Tag erreichten wir also die Grenze. Leider war die Warteschlange vor dem geschlossenen Grenztor sehr lang und nur jede Stunde wurden ein paar Fahrzeuge in die Grenzanlage gelassen. In uns wuchs langsam die Befürchtung, daß wir es heute – am letzten Tag – gar nicht mehr bis zur Grenze schaffen würden. Bei über 30°C warteten wir Stunde um Stunde, daß es vorwärts geht. Irgendwann patrouillierten ein paar Grenzer an den wartenden Autos vorbei. Ich nutzte die Gelegenheit und zeigte einem von ihnen meinen Einreisetempel im Pass und dass wir unbedingt heute noch ausreisen müssen. Er fragte, ob ich Tourist sei und als ich das bejahte, bat er mich, an der ganzen Schlange wartender Autos bis nach Vorne direkt vor das Grenztor zu fahren. Dieses wurde auch gleich für uns geöffnet und wir waren drin! Natürlich hatten wir ein leicht schlechtes Gewissen, an der ganzen Warteschlange vorbei direkt in die Grenzanlage zu fahren – andererseits waren wir heilfroh, daß uns viele Stunden Wartezeit dadurch erspart blieben. Die Abfertigung dauert dann immer noch zwei Stunden, aber was soll‘s: wir waren durch! Dann galt es wieder: KFZ-Versicherung abschließen, SIM-Karte kaufen, Geld wechseln und tanken. In Kasachstan, so wurde uns gesagt ist der Dieselpreis in letzter Zeit dramatisch gestiegen. So mussten wir ganze 0,60€/l bezahlen. Für uns Deutsche macht da das Tanken schon fast Spaß. Müde aber dankbar fanden wir einen einfachen Übernachtungsplatz neben einem Feldweg.
Nun lag eine Strecke von gut 1.500km durch die Steppe bis nach Aktöbe vor uns. Auch auf Reisen müssen wir uns für die ganz alltäglichen Dinge Zeit nehmen: An einer Quelle können wir Frischwasser tanken, auf einer Rampe konnte ich Kermit wieder mal abschmieren, Renate fand so etwas wie einen Friseursalon und auf einem Markt konnten wir unsere Vorräte aufstocken.
Eine schöne Abwechslung war der Besuch von Türkistan. Hier haben wir dieses mal das „Flying theatre“ besucht, ein wunderschön gestalteter Bau mit einem Flugsimulator, in dem man eine Art Zeitreise durch Kasachstan unternehmen kann. Gerade an diesem Tag gab es – extra für uns 😉 50% Rabatt. Auch die abendliche Show in der Arena hat den Stolz vieler Kasachen auf ihr großes Land verdeutlicht. Weiter geht’s Richtung Aktöbe.
Von den nächsten drei Tagen gibt es nicht viel zu berichten: fahren, fahren, fahren und danach einen schönen Nachtplatz suchen. Einen besonders schönen haben wir dann kurz unterhalb von Aral an einem See gefunden. Hier nahmen wir uns Zeit, etwas auszuruhen. Das Wetter war wunderbar, der Wind vom See war etwas kühler und die Nächte sehr ruhig. Am Morgen kamen jeweils einige Kamele zu besuch, die ich sogar streicheln konnte. Immer wiedermal kamen Leute vorbei, die wissen wollten woher wir kommen, wie alt wir sind und ob sie ein paar Fotos machen dürfen. Ein Fischer mit seinem Sohn zeigte uns ganz stolz sein altes Motorrad, eine Ural, auf der ich sogar mal Platznehmen durfte. Am letzten Tag wurden wir noch zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Renate durfte dort vergorene Kamelmilch probieren und es wurden wieder viele Fotos gemacht. Unseren Kermit konnten wir in erster Reihe direkt am Strand parken. Nach dieser Ruhepause geht es nun weiter durch die weite Steppe Kasachstans.






