Usbekistan – Taschkent

In Usbekistan hatten wir einen schweren Start (wer mehr von euch über das Land und die Stadt wissen möchte, springt am Besten zum übernächsten Absatz). Was den Eintritt in ein neues Land oft sehr erschwert sind die für uns selbständig Reisende die teils schwer überwindbaren administrativen Hürden. 1. Hürde: Dass es in Kasachstan eine „Autobahnmaut“ gibt, realisierten wir erst sehr spät. Daß diese nur online mit einem Konto einer Kasachischen Bank zu bezahlen ist vereinfacht es für uns nicht wirklich. Wir baten daher freundliche Kasachen, die Maut über ihre Bank zu bezahlen und gaben ihnen dann das Geld in bar. Uns wurde gerne geholfen und so war mal eine Hürde genommen. 2. Hürde: Braucht man als Privatperson eine elektronische Registrierung für die Grenzabwicklung? Manche sagen ja, manche nein. Eigentlich brauchen sie alle über 3,5t (also wir) aber eigentlich nur LKWs, die Waren transportieren (also wir nicht). Manche Reisende haben es versucht eine Registrierung zu bekommen, sind dann aber auf der Webseite gescheitert, andere wurden weggeschickt, da sie die Registrierung nicht hatten, wieder andere sind einfach in den Zoll gefahren und haben sich dann argumentativ (russisch oder usbekisch!) durchgekämpft. So haben wir es dann auch versucht (was mit Geduld und Glück? Auch funktioniert hat). 3. Hürde: Muss man eine Verkehrssteuer bezahlen? Ja! Der Beamte will $30, nach dem Wechsel in die Landeswährung waren es dann nur noch 5.- €. Dann begann der Usbekische Beamte mit der Durchsuchung unseres Fahrzeuges, was über eine Stunde gedauert hatte. JEDE Kiste wurde durchwühlt, jede Schublade, Kühlschrank, Toilette!, Kleiderfächer durchwühlt. Seine Kollegen wiesen ihn schon mehrfach darauf hin, daß wir Touristen seien und er es jetzt gut sein lassen soll, aber nein, weiter ging’s. Als wir endlich den Zoll verließen war ich total genervt. Meine innere Kondition reichte nur noch für den Kauf 2er Dosen Bier in einem Supermarkt und das Erreichen eines wunderschönen Weinguts am Stadtrand von Taschkent. Dort haben wir uns dann ein sehr leckeres Abendessen gegönnt.

Als ich das Essen mit meiner Kreditkarte bezahlen wollte, konnte ich sie nicht finden, doch zum Durchsuchen unseres Hab und Guts fehlte mir an diesem Abend die Kraft. Im schlimmsten Fall würden wir dann am kommenden Morgen zum Supermarkt zurückfahren um nachzufragen, ob wir sie dort vergessen haben. Doch: Schon am nächsten Morgen musste ich feststellen, daß über 25 Abbuchungen auf unserem Konto im Wert von über 1.000.-€ mit meiner Kreditkarte stattgefunden hatte. Was für ein Sch…. Kreditkarte sofort sperren, die Bank kontaktieren, die Polizei informieren, ein toller Start in dem Land, über das wir noch beim Frühstück gelesen hatten „Usbekistan gilt heute als eines der sichersten Länder Zentralasiens für Reisende. Kleinkriminalität ist relativ gering.“ Es wurde ein Protokoll aufgesetzt und die Sachlage festgehalten. Die Polizisten meinten, es würde nicht lange dauern, den Schuldigen zu finden. Und tatsächlich: Am nächsten Tag (wir waren gerade in Taschkent unterwegs) erhielt ich einen Anruf eines Mitreisenden, daß die Polizei gerade an unserem Fahrzeug war und meine Kreditkarte gefunden und der Dieb gefasst sei. Nach zwei Tagen hin und her konnten wir uns dann mit den Polizeibeamten treffen. Sie brachten die Person mit, die die Karte missbraucht hatte. Er hat uns das Geld dann persönlich zurück gegeben (ca. 80% des Verlustes). Wir haben nicht schlecht gestaunt wie schnell die hiesige Polizei gearbeitet hat. Er fragte uns, ob das in Deutschland auch so schnell ginge? Ich hab ihm diese Frage besser nicht beantwortet. Wir sind sehr dankbar, daß diese Sache so glimpflich ausging. Sicher hat Gott unsere (und die anderer Freunde) Gebete erhört, die Mitarbeiter des Weingutes haben uns sehr aufmerksam unterstützt und wir haben uns nicht zu sehr in den Frust drängen lassen.    

Doch jetzt zum neuen Reiseland und seinen Besonderheiten: Usbekistan war jahrhundertelang ein zentraler Knotenpunkt der berühmten Seidenstraße, den wichtigsten Handelsrouten zwischen China, Persien und Europa. Gewürze, Seide, Papier und Wissen wurden hier gehandelt. Im 19. Jahrhundert wurde Usbekistan Teil des Russischen Reichs und später der Sowjetunion. Seit 1991 ist Usbekistan unabhängig und organisiert sich als Präsidialrepublik, so wie wir hören sehr autokratisch geführt. Die ersten Strassen, die wir nutzen haben Schlaglöcher, große Bodenwellen und man muss jederzeit hellwach sein. Wir stehen mit anderen Reisenden auf dem Weingut Uzumfermer, eine tolle Anlage, die auch für große Feiern (Hochzeiten, Geburtstage etc.) genutzt wird. Die Infrastruktur ist auf europäischem Level, die Preise allerdings auch. Wir finden einen schönen schattigen Platz.

Nach einem Tag Pause machen wir uns mit einem Taxi auf dem Weg zur ersten Metrostation der Landeshauptstadt Taschkent (ca. 3€). Die Metro bezahlen wir ganz einfach mit unserer Kreditkarte (wir haben vorsorglich mehrere dabei). 0,12€ kostet eine Fahrt mit der aus der Sowjetzeit stammenden Metro mit ihren architektonisch sehr schön angelegten Stationen – sie sind eine echte Sehenswürdigkeit der Stadt und eine der schönsten U-Bahnen der ehemaligen Sowjetunion. Jede Station besitzt ein eigenes Design mit Marmor, Kronleuchtern und kunstvollen Mosaiken. Zudem können wir dort etwas runterkühlen (Tagestemperatur ca. 35°C).

Wir besuchen den Amir Temur Platz mit dem Reiterstandbild des Eroberers Amir Timur umgeben von bedeutenden Gebäuden, z. B. Der Oper. Nach dem schweren Erdbeben von 1966 wurde Taschkent größtenteils neu aufgebaut. Einen weiteren Stopp legen wir in der sehr autentischen Abdul-Kasim Medrese ein. Hier haben viele Kunsthandwerker ihr Atelier. Wir dürfen einigen zusehen bei der Miniaturmalerei oder ihren Holzarbeiten. Ein wunderbarer Ort der Ruhe – ganz im Gegensatz zur “Magic City”, einer Art modernen “Plastikstadt” mit Kinos, internationalen Restaurantketten, Kinderbespassung, künstlichem See, … Zum ersten Mal essen wir hier koreanisch. Magic City, für uns eher ein abschreckendes Beispiel wie man Popkultur aus den USA billig kopiert. Wir erreichen die Dschuma-Moschee mit Medrese am Rande des berühmten Chorsu-Basars. Wir müssen uns eingestehen, daß die Hitze und die weiten Distanzen der Stadt unsere Kondition ganz schön fordern. Schlussendlich gelingt mir doch noch die Installation der App Yandex, mit der wir uns ein Taxi bestellen und uns für sage und schreibe 3€ zurück in das Weingut fahren lassen. Wir haben nur einen kleinen Teil der riesigen Stadt gesehen und sind gespannt, welche Eindrücke dieses Land uns weiter zu bieten hat.

Beitrags-Ende

Teile den Beitrag

Frühere Beiträge zu diesem Thema:

Kasachstan – Westen

Irgendwie fühlte es sich sehr gut an, in Kasachstan angekommen zu sein. In der ersten grösseren Stadt Ganyushkino suchten wir uns einen Geldautomaten und tatsächlich:

weiterlesen »