Nun ist es offiziell: Ende März brechen wir auf zu einem Abenteuer in eine für uns völlig neue Welt – nach Zentralasien! Auf unserer Route liegen die für uns noch unbekannten, aber atemberaubend schönen Länder Kirgistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kasachstan. Ein Höhepunkt (im wahrsten Sinne des Wortes) wird sicher die Fahrt über den legendären Pamir Highway sein: eine Straße, die sich auf bis zu 4.600 m Höhe entlang von 7.000er-Gipfeln schlängelt, nur einen Steinwurf entfernt von Afghanistan und China.
Zuerst aber geht’s gemütlicher los: Mit der Fähre nach Patras, dann weiter über mehrere Fähren durch Griechenland bis zur türkischen Küste nach Çeşme. Von dort weiter im Süden der Türkei entlang der Grenze zu Syrien und den Van-See nach Georgien. Auf ein Wiedersehen dieses wunderschönen Landes freuen wir uns schon sehr. Dann steht ein etwas heikler Abschnitt auf dem Programm: Der ca. 5tägige Transit durch Russland. Ander sind die „Stan“-Länder momentan nicht vernünftig erreichbar. Die Visa sind bereits beantragt.
Unser Weg führt dann durch die endlosen Steppen Kasachstans, vorbei am fast verschwundenen Aralsee, weiter nach Usbekistan mit seinen Juwelen der Seidenstraße – etwa dem sagenumwobenen Samarkand mit dem prachtvollen Registan. Danach geht’s hinauf nach Tadschikistan, wo wir auf den Pamir Highway einbiegen. Zwischen den Grenzen Afghanistans und Chinas rollen wir über meist unbefestigte Pisten, vielleicht sogar durch den Wakan-Korridor, hinauf bis auf 4.655 m. Wir sind gespannt, wie Mensch und Maschine in dieser Höhe durchhalten – schließlich sind wir beide nicht mehr ganz taufrisch. Die wohl aufregendste Passage wird die Abfahrt über etwa 20 km Niemandsland nach Kirgistan, das oft die „Schweiz Zentralasiens“ genannt wird. Schon zu meiner Zeit bei Surprise-Reisen faszinierten mich die Fotos dieser spektakulären Bergwelt. Wir besuchen den Issyk-Kul, ein Hochgebirgssee, der 12x größer als der Bodensee ist. Auf dem Rückweg locken weitere Seidenstraßen-Schätze wie Buchara und Chiwa, bevor wir in Kasachstan noch die Region Mangistau besuchen wollen – eine bizarre Landschaft aus Felsen, die einst ein uraltes Meer säumten.
Vor zwei Jahren war bereits eine Reisegruppe mit ihren Varios auf genau dieser Route unterwegs. Damals konnten wir leider nicht starten, weil unser „Kermit“ noch auf der Werkbank stand. Jetzt holen wir das Abenteuer nach – orientiert an ihrer Strecke. Wer neugierig ist, findet ihre spannenden Berichte und Videos auf YouTube unter „Benni goes overland“
Nun zu ein paar Fragen:
Wollt ihr wirklich durch Russland fahren?
Ja, tatsächlich! Momentan gibt’s keinen anderen Weg. Iran und Turkmenistan sind keine Option, also bleibt nur die Route über Russland. Reisende, die sie kürzlich gefahren sind, berichten von freundlichen Menschen, ordentlichen (wenn auch bürokratischen) Grenzformalitäten und sicheren Übernachtungsmöglichkeiten. Wir hoffen, daß wir uns mit anderen Reisenden für diesen Abschnitt zusammentun können, was den Transfer noch etwas erleichtern könnte.
Startet euer Diesel auf 4.600 m noch?
Tja, das wird sich zeigen. Auf der Passhöhe werden wir ja nicht übernachten. Kermit hat immerhin einen Turbolader – der sorgt für genügend Atemluft im Motor. Für alle Fälle sind Starthilfespray und ein paar Additive gegen versulzten Diesel an Bord.
Und wenn ihr krank werdet?
Das ist eine ernst zu nehmende Frage, besonders in unserem fortgeschrittenen Alter. In den hinteren Ecken Tadschikistans ist kaum ärztliche Versorgung möglich – da sollte uns nichts passieren. Ansonsten haben wir natürlich eine Langzeitauslandskrankenversicherung abgeschlossen. Auch diesen Streckenabschnitt wollen wir mit anderen Reisenden zusammen fahren – wir sind da schon mit einzelnen in Kontakt. Natürlich wissen wir uns auch in Gottes Hand (nicht nur in den hintersten Ecken der Welt sondern jeden Tag). Er achtet eh immer auf uns – was nicht heißen soll, daß nichts schief gehen kann aber wir immer bei ihm geborgen sind.
Ist es dort überhaupt sicher?
Wo ist es heute noch sicher? Das reisen wird immer schwieriger ABER: Die Realität vor Ort sieht meist ganz anders aus als die Medien uns vermuten lassen. Für das Fernsehen sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten weil sie Einschaltquoten bringen. Dadurch werden wir überschüttet von schlechten Nachrichten. Unserer Erfahrung nach ist die Welt viel besser, freundlicher und positiver als und berichtet wird. Auf unseren bisherigen Reisen haben haben wir so viele freundliche, gastfreundliche und hilfsbereite Menschen kennen gelernt. In diesen Ländern fühlen wir uns oft sicherer als z.B. In Südfrankreich oder Nordspanien. Wo der nächste kriegerische Konflikt losbricht ist oft schwer vorherzusagen. Momentan ist Zentralasien eher eine ruhige Region.
Wie sind die Straßen?
Sehr unterschiedlich. Es gibt neu gebaute supergute Autobahnen genauso wie lange üble Baustellen und mit Schlaglöchern übersäte Straßen, die (irgendwann) saniert werden. Wir gehen davon aus, daß wir viel auf unbefestigten Wegen unterwegs sein werden. Aber genau dafür ist unser Fahrzeug ja gebaut. Nach den Erfahrungen in Marokko, Mauretanien und Senegal mache ich mir da wenig Sorgen.
Und das Wetter?
Wir planen, den Pamir im Hochsommer zu überqueren. Dann soll er schneefrei sein. Trotzdem wird es da kalt (auch unter 0°C) sein. In den Steppen werden wir dagegen auf über 40°C treffen. Es wird also alles dabei sein.
Natürlich beruhen unsere Erwartungen auf den Erfahrungen anderer Reisender – aber bald werden wir unsere eigenen machen. Sicher ist nur: Es wird spannend, herausfordernd und enorm bereichernd. Und ehrlich: Wenn nicht jetzt, wann dann?






