Leider hatte die Wettervorhersage keine guten Nachrichten im Gepäck, und so schlagen wir eine neue Richtung ein: auf zum Atlantik. Dort sollte es zumindest etwas wärmer sein – auch wenn der Regen offenbar beschlossen hatte, uns treu zu bleiben. Nie hätten wir gedacht, dass wir ausgerechnet in Nordafrika, am Rand der Sahara, vor Kälte und Nässe fliehen würden. Unser erstes Zwischenziel ist Taroudannt. Die Stadt ist von beeindruckenden Lehmstadtmauern umgeben, über 7,5 Kilometer lang, gespickt mit Türmen und Bastionen – ein echtes Wahrzeichen. Die verwinkelte Medina wirkt angenehm ursprünglich, deutlich weniger touristisch als Marrakesch oder Fès. Kaum angekommen, setzt auch schon der Regen ein, und so ziehen wir am nächsten Tag weiter Richtung Agadir. Dort positionieren wir uns vorsorglich auf einem Hügel oberhalb der Stadt, um möglichen Überschwemmungen zu entgehen. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigt: Im ganzen Land sorgt der Dauerregen für massive Überschwemmungen. In Safi, das wir auf dem Hinweg besucht hatten, kommen über 30 Menschen ums Leben, als eine Sturzflut durch die Altstadt rauscht, die Medina überflutet. Straßen werden gesperrt, eine Brücke wird mitgerissen. Unser einziges Problem dort: Irgendwann müssen wir selbst wieder einen matschigen Anstieg hinauf. Das sitzen wir – wie einige andere 4×4-Fahrzeuge auch – erst einmal aus. Ein Wohnmobil mit langem Überhang versucht es trotzdem, bleibt prompt auf halber Strecke hängen und blockiert den Weg. Am Ende organisieren wir eine schwere Baumaschine, die das Gefährt befreit und den Weg wieder freigibt. Zwei Tage später ist alles getrocknet, und wir können weiterziehen.
Unser nächstes Ziel heißt Taghazout, ein kleines Küstendorf und Mekka für Surfer aus aller Welt, die hier das Wellenreiten lernen oder perfektionieren. Auf einem Parkplatz oberhalb des Ortes finden wir mit anderen Reisenden einen wunderbaren Stellplatz mit Blick über das Dorf und den Atlantik. Unten locken kleine Restaurants, ein Fischerhafen und allerlei Läden, in denen man sich bestens versorgen kann. Morgens hole ich frisches Brot beim Bäcker um die Ecke, mittags gibt es frischen Fisch aus dem Hafen oder wir sitzen in einem der gemütlichen Lokale direkt am Meer. Nachmittags spazieren wir am Strand entlang, abends genießen wir den Sonnenuntergang mit einem kühlen Bier in der Hand. Kurz gesagt: Hier lässt es sich sehr gut leben!
Doch irgendwann meldet sich selbst im Paradies die Abenteuerlust wieder, und so unternehmen wir eine Fahrt in die nahen Ausläufer des Atlasgebirges. Ziel ist das „Paradies-Tal“, wo man entlang eines kleinen Flusses herrlich wandern kann. Unterwegs entdecken wir immer wieder natürliche Wasserbecken, die im Sommer sicher zum Baden einladen – jetzt schauen wir sie lieber nur an, uns ist es schlicht zu kalt. An einer schmalen Bergstraße finden wir einen großartigen Übernachtungsplatz mitten in den Bergen. Am nächsten Tag steuern wir die Wasserfälle von Imouzzer an, die sich allerdings eher als bescheidene Rinnsale entpuppen. Über eine enge, aber asphaltierte Bergstraße geht es zurück ins Tal, und schließlich verbringen wir die Nacht wieder direkt am Atlantikstrand.






