Andalusien

Glücklicherweise verlief unsere Überfahrt vom afrikanischen Kontinent nach Algeciras erstaunlich ruhig. Auch die Zollformalitäten waren schnell erledigt – niemand zeigte besonderes Interesse an dem marokkanischen Rotwein, den wir vorsorglich gebunkert hatten. Unser Übernachtungsplatz lag hoch oben zwischen mehreren Windrädern. Direkt hinter einem noch größeren Reisemobil geparkt, bekamen wir vom kräftigen Wind, der dort die ganze Nacht tobte, kaum etwas mit. Zwar trommelte der Regen ausdauernd auf unser Dach, doch das störte uns wenig – wir schliefen trotzdem tief und fest.

In den folgenden Tagen besserte sich das Wetter, und so machten wir uns auf den Weg zu den weißen Dörfern Andalusiens. Unser erstes Ziel war Vejer de la Frontera. Der Ort blickt auf über 2.000 Jahre Geschichte zurück und wurde im Laufe der Zeit von Phöniziern, Römern und Mauren geprägt, bevor er im 13. Jahrhundert christlich wurde. Seine strategische Lage auf einem Hügel nahe der Atlantikküste machte Vejer lange zu einem wichtigen Grenzposten – daher auch der Namenszusatz „de la Frontera“. Heute zählt es zu den schönsten pueblos blancos Andalusiens. An diesem Sonntag war es kalt, und so teilten wir uns die engen Gassen nur mit wenigen anderen Besuchern – ein Luxus. Auf dem zentralen Platz, der Plaza de España, entdeckten wir einen der typischen Brunnen, die „Plaza de los Pescaitos“, und konnten dort sogar ein paar entfernte Verwandte von Kermit dem Frosch begrüßen 😉. Am Nachmittag zeigte sich schließlich die Sonne und überredete uns mühelos, in einem kleinen Restaurant unsere ersten Tapas samt Glas Wein zu genießen.

Unser nächstes Ziel war eine der ältesten Städte Europas: Cádiz. Auch hier spielte das Wetter erfreulicherweise mit. Die Stadt liegt spektakulär auf einer schmalen Landzunge im Atlantik und vereint andalusisches Leben, Geschichte und Strand auf engstem Raum. Besonders bezaubernd sind die verwinkelten Gassen der Altstadt, das besondere Licht am Meer und die angenehm entspannte Atmosphäre – wieder ganz ohne große Touristenströme. So konnten wir gemütlich durch die Straßen schlendern und die Stadt einfach auf uns wirken lassen.

Der nächste Tag begann erneut sonnig, also ging es weiter nach Sevilla – eine wirklich großartige Stadt. Schon die Plaza de España zog uns sofort in ihren Bann: weitläufig, prachtvoll und voller Leben. Als besonderes Highlight erlebten wir dort eine Flamenco-Vorführung. Auch die beeindruckende Altstadt hat uns nachhaltig begeistert. Statt der klassischen Tapas entschieden wir uns diesmal für ein hervorragendes libanesisches Restaurant direkt an einer sonnigen Straße – eine köstliche Abwechslung. Übernachtet haben wir erneut erstaunlich ruhig auf einem zentral gelegenen Parkplatz nahe der Altstadt.

Für die kommenden Tage war leider wieder Regen angekündigt. Da auch die Wetterprognose für Portugal wenig Hoffnung machte, nutzten wir zwei Regentage, um rund 750 Kilometer zurück an die Mittelmeerküste zu fahren. Nun stehen wir in einem kleinen Touristenort direkt am Meer, der zu dieser Jahreszeit sehr verlassen wirkt – wären da nicht die zahlreichen Überwinterer in ihren Wohnmobilen. Wir haben uns kurzerhand dazugesellt und bleiben noch etwas. Morgen steht dann ein zweiter Besuch in Valencia auf dem Programm.

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