In Meknes haben wir ja mehrere Tage Regen ausgesessen – nun wird es endlich Zeit, weiterzuziehen. Auf befestigten Straßen geht es entlang überfluteter Felder Richtung Westen, dem Atlantik entgegen. Auf halber Strecke legen wir einen Stopp auf einem Weingut ein. So eine Adresse ist in einem muslimischen Land schon etwas Besonderes. Wir erfahren, dass das Gut von Franzosen geführt wird, die Marokkaner arbeiten hier „nur“ als Angestellte. Wir melden uns spontan zum Abendessen an – und werden belohnt: eine der besten Tajines unserer gesamten Marokko-Reise, dazu eine herrliche Flasche Rotwein. Trotz weiter anhaltendem Regen stehen wir hier sicher und erstaunlich gemütlich.
Auch am nächsten Tag sind die Straßen von überschwemmten Feldern gesäumt. Durch eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Gegend teilen wir uns den Weg mit Pferde- und Eselskarren – entschleunigter Verkehr im besten Sinne. Wir besuchen die Ruinen der antiken römisch-berberischen Stadt Banasa. Schon lange vor den Römern war dieses Gebiet besiedelt, wie Funde von Steinwerkzeugen und Hinweise auf phönizisch-karthagische Handelsbeziehungen zeigen. Unter römischer Herrschaft entwickelte sich Banasa zu einem bedeutenden regionalen Zentrum mit Forum, Tempeln, Basilika, Thermen, Märkten und einem durchdachten Straßennetz. Bei Sonnenschein!!! und ganz für uns allein streifen wir durch die Überreste – ein Luxus, den man sonst selten hat. Als Krönung dürfen wir sogar mit unserem Fahrzeug direkt auf dem Gelände übernachten.
Wir erreichen den Atlantik in Moulay Bousselham, einem Ort an einer Lagune. Am nächsten Tag unternehmen wir eine Bootsfahrt – in der Hoffnung auf spektakuläre Vogelbeobachtungen. Leider bleiben die gefiederten Stars aus. Außer Kormoranen (kennen wir zur Genüge vom Bodensee) und ein paar Fischreihern gibt es nicht viel zu sehen. Als wir ans Ufer zurückkehren, reihen wir uns in die Kolonne der heimkehrenden Fischerboote ein – wenigstens maritimes Flair gibt es gratis dazu.
In Larache genießen wir das entspannte Leben einer Kleinstadt mit all ihren Annehmlichkeiten. Unser Kermit braucht mal wieder einen Ölwechsel. Kein Problem: Eine kleine Werkstatt ist schnell gefunden und erledigt den Job in einer halben Stunde. Öl und Filter hatte ich vorsorglich schon besorgt – man lernt ja dazu. Wir verbringen zwei Tage auf einem leider ziemlich engen Parkplatz, aber der schöne Markt, die vielen Bäckereien und die hübsche Strandpromenade machen das mehr als wett.
Eine weitere prähistorische Sehenswürdigkeit entdecken wir im einsamen Hinterland: den Steinkreis von M’zora. Mit rund 50 Metern Durchmesser und unterschiedlich großen Megalithen ist er durchaus beeindruckend. Nachdem wir den unverschämten Eintrittspreis von 89 DH pro Person auf faire 20 DH für uns beide heruntergehandelt haben, dürfen wir hinein. Die eigentliche Herausforderung war allerdings, überhaupt dorthin zu kommen: erst mitten durch einen Viehmarkt, dann über eine „Straße“, die diesen Namen nur aus Höflichkeit trägt, und schließlich durch Schlammlöcher, die noch vom letzten Regen erzählen. Belohnt werden wir mit einem traumhaften Stellplatz oberhalb des „Stausees vom 9. April 1947“, benannt nach einem wichtigen Datum im marokkanischen Unabhängigkeitsstreben. Besuch bekommen wir auch: Schafe, Ziegen, Esel und sogar ein Pferd schauen vorbei. Fast wie ein Streichelzoo, nur ohne Eintritt.
Nach einem Ruhetag setzen wir unsere Reise Richtung Tanger fort. Als der Regen am Nachmittag endlich aufhört, besuchen wir die Herkuleshöhlen. Nichts Spektakuläres, aber bei dem miserablen Wetter nimmt man jeden kleinen Höhepunkt dankbar mit. Wir beschließen, die Fähre zu buchen, um in den kommenden Tagen nach Spanien überzusetzen. Das Wetter bleibt trüb, die Highlights werden rar – und irgendwie ist auch bei uns ein bisschen die Luft raus. Ein letzter Besuch gilt der Altstadt von Tanger, die uns noch einmal positiv überrascht: aufgeräumt, schöne Lokale, ein authentischer Markt, eine großzügige Strandpromenade. Danach geht es Richtung Fähre – und es regnet wieder. Den letzten Tag sitzen wir auf einem Parkplatz aus, bis es heißt: Auf Wiedersehen, Marokko. Es war vielfältig, freundlich, sicher, günstig und abwechslungsreich – ein Land, das man unbedingt einmal länger bereisen sollte.






