Wir sind unterwegs nach Marrakesch – und leider regnet es schon wieder. Der Boden kann die Wassermassen kaum aufnehmen, neben der Straße bilden sich kleine Flüsse und so mancher ungeteerte Weg wird kurzerhand für unpassierbar erklärt. Gut, dass wir mit unserem 4×4 und der etwas kräftigeren Bereifung unterwegs sind. Marrakesch selbst lässt uns hingegen eher kalt: Wir stehen mitten in der Stadt, nahe der Koutoubia-Moschee. Im Regen schieben wir uns gemeinsam mit (gefühlt) hunderten anderer Touristen durch die engen Gassen der Medina. Kalt, nass, eng – vom Zauber dieser berühmten Stadt ist unter diesen Bedingungen leider wenig zu spüren.
Am Abend beginnen auf dem berühmten Platz Jemaa el Fna die Händler, ihre Garküchen aufzubauen. Die Art, wie deren Angestellte um Gäste werben, ist allerdings so penetrant, dass uns der Appetit vergeht. Leicht frustriert ziehen wir uns in unser gemütliches Wohnmobil zurück und kochen uns lieber selbst ein richtig gutes Abendessen.
Schon am nächsten Tag brechen wir wieder auf und lassen die Stadt hinter uns. Ziel sind die Wasserfälle von Ouzoud. Unterwegs sind wir bei einer kleinen Straße durch ein abgelegenes Dorf erneut sehr froh über unseren 4×4. Es geht matschig bergab, über enge Sträßchen mitten durchs Dorf – nichts für zarte Nerven oder schmale Reifen. Der Ausgleich kommt am Abend: ein großer, ebener, geschotterter Parkplatz für die Nacht. Durch die anhaltenden Regenfälle führen die Wasserfälle ungewöhnlich viel Wasser und wirken entsprechend beeindruckend. Sie lassen sich gut erwandern, und wir folgen einer kleinen Gruppe auf der einen Seite hinab in das steile Tal. Von unten sind die braunen, tosenden Wassermassen wirklich spektakulär. Als Bonus werden wir noch von einigen Berberaffen überrascht, die hier in der Schlucht wohnen und offenbar keine Berührungsängste haben. Hier könnte man problemlos einen ganzen Tag verbringen – vorausgesetzt, man hat wetterfeste Kleidung und rutschfeste Schuhe dabei.
Silvester wollen wir auf einer Achat-Farm verbringen, die wir bei wirklich miserablem Wetter erreichen. Die Straße wird immer schmaler, Nebel zieht auf, und zusätzlich müssen wir mehrere über die Ufer getretene Flussläufe (Queds) durchqueren. Nach langer Fahrt erreichen wir schließlich die Farm, die von einem Deutschen namens Joachim geführt wird. Hier stehen wir sicher und gut aufgehoben. An Silvester hören wir keinen einzigen Böller und genießen einen ruhigen, entspannten Jahreswechsel. Am nächsten Tag nimmt Renate an einem Workshop zur Bearbeitung von Achatsteinen teil. Joachim ist seit Jahren Spezialist und zeigt ihr geduldig, wie die Steine geschnitten und geschliffen werden. Ich nutze die Zeit, um unser Auto an den entscheidenden Stellen zu reinigen – damit wir uns nicht bei jeder Berührung sofort wieder einsauen.
Leider kündigt der Wetterbericht erneut eine tagelange Regenfront mit Sturm an, die besonders die Küstenregion treffen soll. Also machen wir uns auf den Weg nach Meknes, einer der vier Königsstädte Marokkos. Unterwegs kehren wir zur Mittagspause in ein traditionelles Restaurant an der Durchfahrtsstraße ein – immer ein kleines Abenteuer. Man weiß nie genau, was es gibt, ob die Verständigung klappt oder ob man am Ende doch über den Tisch gezogen wird. Eine Speisekarte gibt es nicht, aber mit Händen, Füßen und freundlichem Lächeln kommen wir ans Ziel. Das Essen ist fantastisch: gegrillte Lammspieße mit Tomaten und Zwiebeln, frisches Brot, Oliven und natürlich Minztee. Die Betreiber sind herzlich, alles passt – und am Ende zahlen wir zusammen nicht einmal 10 Euro. Da kann man nur zufrieden Danke sagen.
In Meknes stehen wir sehr zentral, direkt hinter der Stadtmauer und nahe der Medina. Mit viel Freundlichkeit und Geduld schaffen der Parkwächter und ein Polizist gemeinsam Platz für unser doch recht stattliches Fahrzeug. Meknes liegt im fruchtbaren Norden Marokkos, zwischen Rif-Gebirge und Mittlerem Atlas, und zählt zu den historischen Königsstädten des Landes. Uns gefällt die entspannte Atmosphäre und die angenehm geringe Zahl an Touristen. Leider regnet es drei Tage lang fast durchgehend, sodass wir unsere Erkundungen auf kurze Regenpausen beschränken müssen. Bewusst haben wir einen etwas höher gelegenen, geteerten Stellplatz gewählt. Zweimal machen wir uns auf den Weg durch die Medina, erkunden den El-Hedim-Platz sowie einige Bäckereien und Cafés. Da für den vierten Tag in Folge weiterer Regen angekündigt ist, beschließen wir schließlich, trotzdem aufzubrechen und wieder Richtung Westen an den Atlantik zu fahren.






